Linolschnitt Stil: von Linien zu Lichtstrahlen
Wie aus der Liebe zum technischen Zeichnen mein Linolschnitt Stil wurde: parallele Linien, die wie Lichtstrahlen wirken. Plus Ideen für deinen eigenen.

Schon in der Schule habe ich technisches Zeichnen geliebt. Lineal, Zirkel, saubere Linien. Dass daraus Jahre später ein Linolschnitt Stil werden würde, in dem Licht aus geraden Linien besteht, hätte ich damals nicht gedacht.
Heute schneide ich Hintergründe aus parallelen Linien, die wie Lichtstrahlen aussehen. Hier erzähle ich, wie es dazu kam.
Woher kommt mein Stil mit den Linien?
Ich habe schon immer gern gezeichnet. Nicht akademisch, eher intuitiv, aber immer mit einem Hang zum Geometrischen. Gerade Kanten, saubere Abstände, Flächen, die sich aus Linien zusammensetzen.
Beim technischen Zeichnen hat mich genau das fasziniert. Eine Linie ist eine Entscheidung. Sie ist da oder sie ist nicht da. Und aus vielen solchen Entscheidungen entsteht am Ende ein Körper, ein Raum, ein Gebäude.
Im Linolschnitt ist das genauso, nur strenger. Was einmal geschnitten ist, bleibt geschnitten.
Wie ich (immer wieder) zum Linoleum kam
Linoleum habe ich vor Jahren kennengelernt. Ich habe ein, zwei kleine Motive geschnitten und es dann wieder weggelegt. Ungefähr alle zwei Jahre habe ich es hervorgeholt, ein bisschen geschnitten und wieder aufgehört.
Ehrlich gesagt hat es lange gedauert, bis ich verstanden habe, was mich daran eigentlich hält. Erst im Winter 2025/26 habe ich mich richtig darauf eingelassen. Seitdem bin ich dabei geblieben, und ich liebe es immer noch.
Was mich festhält, ist die Ruhe. Wenn ich schneide, ist es für mich wie Meditation. Der Kopf wird leise, die Hände arbeiten, und die Zeit läuft irgendwie anders. Wenn man eine parallele Linie nach der anderen schneidet, kann man gar nicht an etwas anderes denken.
Line Art im Linolschnitt: Licht ohne Grau
Im Linolschnitt gibt es kein Grau. Es gibt nur Farbe oder Papier. Das klingt nach einer Einschränkung, und am Anfang war es das für mich auch.
Die Lösung ist so alt wie der Kupferstich: Schraffur. Licht und Schatten entstehen über die Dichte und die Richtung der Linien.
- Dichte: Liegen die Linien eng beieinander, wirkt die Fläche dunkel. Liegen sie weiter auseinander, wird sie hell.
- Breite: Werden die geschnittenen Rillen breiter, kommt mehr Papier durch und es wird heller.
- Richtung: Linien, die alle auf einen Punkt zulaufen oder von ihm wegstrahlen, ziehen das Auge dorthin. Genau so entstehen bei mir die Strahlen.
Wenn die Linien dann parallel aus einer Ecke kommen, liest das Auge sie nicht mehr als Linien. Es liest sie als Licht, das ins Bild fällt.
Das Schwierige daran: Ein Schnitt lässt sich nicht zurücknehmen. Wenn eine Linie zu breit wird, ist dort für immer mehr Licht. Darum plane ich die Abstände vorher auf der Platte und schneide dann ruhig, eine Linie nach der anderen, ohne auf das Ende zu schauen.
Der Brunnen und Die Leiter: Strahlen aus geschnittenem Licht
Am deutlichsten sieht man das bei Der Brunnen. Eine Figur steht auf einer Säule, und um sie herum ist alles Licht aus geschnittenen Linien. Die Figur selbst ist ruhig. Die Bewegung kommt ganz aus dem Hintergrund.
Bei Die Leiter stehen die Strahlen hinter den Figuren. Sie geben dem Bild Tiefe und eine Richtung nach oben, ohne dass ich etwas dazu erklären muss. Mehr über dieses Motiv erzähle ich im Artikel über Die Leiter.
So ein Hintergrund braucht Geduld. Eine falsche Linie fällt sofort auf, weil sie aus dem Rhythmus springt. Das ist der Teil, bei dem mir das technische Zeichnen bis heute hilft: gleiche Abstände, saubere Richtung, keine Hektik.
Linolschnitt Ideen: wie du deinen eigenen Stil findest
Ich glaube nicht, dass man einen Stil plant. Bei mir ist er aus dem gewachsen, was ich sowieso am liebsten mache. Ein paar Ideen, wenn du selbst anfängst:
- Schau, was du schon gern zeichnest. Bei mir waren es Linien und Geometrie. Bei dir sind es vielleicht Pflanzen, Gesichter oder Muster.
- Mach eine Fläche nur aus Linien. Nimm ein kleines Stück Linoleum und versuche, einen Verlauf von dunkel zu hell nur mit Abständen zu schneiden.
- Spiel mit der Richtung. Dieselbe Fläche wirkt mit waagrechten Linien ruhig und mit strahlenförmigen Linien voller Energie.
- Fang mit einem Foto an. Ein Foto zwingt dich, Licht in Schwarz und Weiss zu übersetzen. Wie ich das mache, steht in Linolschnitt vom Foto.
Und wenn du ein, zwei Motive schneidest und es dann wieder weglegst: Das ist kein Scheitern. Bei mir hat es auch ein paar Anläufe gebraucht.
Wenn du die Lichtstrahlen in echt sehen willst, schau dir Der Brunnen im Shop an, jedes Blatt von Hand mit dem Baren gedruckt.
Blätter in diesem Beitrag
Fragen
Wie entsteht Licht in einem Linolschnitt, wenn es kein Grau gibt?
Über die Dichte und Richtung der Linien. Eng gesetzte Linien wirken dunkel, weit gesetzte hell. So entsteht der Eindruck von Licht und Schatten mit nur zwei Tönen.
Was bedeutet Line Art im Linolschnitt?
Ein Stil, der Flächen und Tonwerte vor allem mit Linien aufbaut, ähnlich wie Schraffuren in Kupferstichen. Bei mir sind es meistens parallele Linien im Hintergrund.




