Fight Club Kunst: das Ende als Linolschnitt
Das Fenster ist mein Linolschnitt der Schlussszene von Fight Club: warum mich das Ende packt und wie fallende Türme und Stadtlichter zu Linien werden.

Spoiler-Warnung: Dieser Text verrät das Ende von Fight Club. Wenn du den Film noch nicht gesehen hast, schau ihn zuerst und komm dann zurück.
Zwei Menschen stehen Hand in Hand an einem grossen Fenster. Draussen fallen die Hochhäuser, eins nach dem anderen. Das ist die letzte Szene von Fight Club, und es ist die Szene, die ich als Linolschnitt „Das Fenster“ geschnitten habe.
Warum Fight Club?
Für mich ist Fight Club einer der besten Filme, die ich je gesehen habe. David Fincher hat ihn 1999 gedreht, nach dem Roman von Chuck Palahniuk. Edward Norton spielt den namenlosen Erzähler, Brad Pitt spielt Tyler Durden, Helena Bonham Carter spielt Marla Singer.
Die Idee dahinter ist unglaublich packend. Und die Besetzung passt bis in die kleinste Rolle. Leider werden solche Filme heute kaum mehr gemacht. Das sage ich nicht aus Nostalgie, ich vermisse einfach Filme, die einen so lange beschäftigen.
Was passiert am Ende von Fight Club?
Der Erzähler begreift, dass es Tyler nie gab. Sein bester Freund, der Mann, der ihm alles beigebracht hat, war die ganze Zeit ein Teil von ihm selbst. Hinter allem, was passiert ist, stand er selbst.
Um Tyler loszuwerden, muss er auf sich selbst schiessen. Er schiesst sich durch die Wange, überlebt, und Tyler ist weg. Dann kommt Marla. Die beiden stehen am Fenster, er nimmt ihre Hand, und draussen sacken die Türme zusammen, während „Where Is My Mind?“ von den Pixies läuft.
Für mich ist das ein grossartiges Ende. Alles bricht zusammen, und mittendrin stehen zwei Menschen ganz ruhig da. Mehr muss man nicht sagen.
Beim zweiten Anschauen sieht man den Film mit anderen Augen. Plötzlich fallen einem die kleinen Hinweise auf, die vorher schon da waren. Darum wollte ich genau diesen letzten Blick aus dem Fenster festhalten, den Moment, in dem alles klar wird.
Wie werden Stadtlichter und fallende Türme zu Linien?
Die Szene spielt nachts. Im Film ist sie voller Licht: erleuchtete Fenster, Explosionen, Feuer. Im Linolschnitt gibt es aber kein Grau, nur Farbe oder Papier. Jedes Licht muss ich also herausschneiden. Was ich mit dem Messer wegnehme, bleibt weiss. Was stehen bleibt, druckt schwarz.
So habe ich die Szene aufgebaut:
- Die Türme bleiben als schwarze Blöcke stehen. Die erleuchteten Büros darin sind kleine, kurze Schnitte, Reihe für Reihe.
- Feuer und Rauch sind grosse weisse Formen mit weichen, gewundenen Rändern. Da darf das Messer frei laufen.
- Das Fenster teilt das Bild mit seinen Streben in Felder. Es macht aus dem Chaos draussen etwas, das man wie ein Bild betrachtet.
- Die zwei Figuren sind reine Silhouetten, schwarz vor dem hellen Boden. Kein Gesicht, nur Haltung und die Hände, die sich halten.
- Der Rahmen aus weissen Punkten rundherum ist mit einem runden Messer gestochen, Punkt für Punkt. Ich habe sie nicht gezählt. Das war vermutlich besser so.
Gerade bei den Türmen merkt man, wie sehr Linol zu einer Stadt bei Nacht passt. Ein paar hundert kleine Schnitte, und plötzlich leuchtet ein Gebäude. Wie aus Licht in meinen Drucken Linien werden, erzähle ich ausführlicher in wie aus Licht Linien werden.
Wie entsteht so ein Druck von Hand?
Wie bei allen meinen Motiven zeichne ich zuerst alles von Hand neu und übertrage es spiegelverkehrt auf die Platte. Dann wird geschnitten, mit den Pfeil-Messern aus Langenthal. Ein Schnitt lässt sich nicht zurücknehmen, und bei den Fensterreihen in den Türmen braucht das eine ruhige Hand.
Gedruckt wird ohne Presse. Ich walze die Farbe auf, lege das Papier darauf und reibe es mit dem Bambus-Baren an. Jeder Bogen wird einzeln abgezogen, deshalb sieht kein Druck genau gleich aus. Mal ist das Schwarz der Türme satter, mal leuchten die Flammen etwas stärker.
Das Papier ist Hahnemühle Sumi-E, ein leicht raues, saugfähiges Papier im japanischen Stil. Jedes Original ist in Bleistift signiert und nummeriert und kommt mit Echtheitszertifikat.
Wie viele Exemplare gibt es?
Im Shop gibt es 30 Stück. Wenn alle verkauft sind, zerschneide ich die Platte, und das Fenster wird nie wieder gedruckt. Bei einem Motiv über das Zerstören hat das fast etwas Passendes.
Von jedem Original gehen CHF 5 an den Berner Verein übrig.
Das Fenster ist nicht mein einziger Film-Linolschnitt. Wie ich Mia aus Pulp Fiction auf Schwarz und Weiss reduziert habe, liest du in Mia als Linolschnitt.
Wenn dich das Ende auch nie ganz losgelassen hat, findest du Das Fenster als Original im Shop.
Blätter in diesem Beitrag
Fragen
Welche Szene zeigt der Linolschnitt Das Fenster?
Die Schlussszene von Fight Club: der Erzähler und Marla stehen Hand in Hand am Fenster und schauen zu, wie die Hochhäuser einstürzen.
Ist Das Fenster ein Filmstandbild?
Nein. Es ist meine eigene Zeichnung, inspiriert vom Film, von Hand gezeichnet und in Linol geschnitten.



