Linolschnitt kaufen: Was heisst Auflage und signiert?
Original, Auflage 30, signiert und nummeriert: was du beim Linolschnitt kaufen wirklich bekommst und warum ich die Platte am Ende zerschneide.

Wenn das dreissigste Blatt eines Motivs verkauft ist, nehme ich ein Messer und zerschneide die Linolplatte in Stücke. Die Platte, an der ich viele Stunden geschnitten habe.
Das klingt brutal, ich weiss. Aber genau darum geht es, wenn du einen Linolschnitt kaufen willst und auf dem Blatt «7/30» steht. Hier erkläre ich dir, was Original, Auflage und Signatur bedeuten und was du dafür eigentlich bezahlst.
Was ist ein originaler Linolschnitt?
Ein Original ist ein Blatt, das direkt von der Linolplatte gedruckt wurde. Bei mir heisst das:
- Ich schneide das Motiv spiegelverkehrt mit Messern in die Platte.
- Ich trage die Farbe mit einer Walze auf.
- Ich lege das Papier auf und reibe es von Hand mit einem Bambus-Baren an.
- Ich ziehe das Blatt ab, einzeln, eines nach dem anderen.
Es gibt keine Presse. Null. Das Papier ist Hahnemühle Sumi-E, ein Japanpapier mit 80 g/m², naturweiss, leicht rau und sehr saugfähig. Ein A3-Motiv misst 29.7×42 cm auf einem Blatt von 32.5×50 cm.
Wer Original Kunst kaufen will, kauft also nicht ein Bild von einem Bild. Er kauft das Blatt, das auf der Platte lag.
Warum ist kein Blatt wie das andere?
Weil meine Hand keine Maschine ist. Beim Reiben mit dem Baren drücke ich nie zweimal exakt gleich. Mal nimmt das Papier an einer Stelle etwas mehr Farbe an, mal etwas weniger.
Im Linolschnitt gibt es kein Grau, nur Farbe oder Papier. Trotzdem sieht eine schwarze Fläche auf Blatt 3 nicht ganz gleich aus wie auf Blatt 12. Diese kleinen Unterschiede sind der Beweis, dass keine Maschine im Spiel war. Wenn du zwei Blätter nebeneinander legst, siehst du die Hand.
Und die Hand macht auch Fehler. Mehr als einmal hatte ich ein Motiv schon halb geschnitten, bis ich merkte, dass ich vergessen hatte, es zu spiegeln. Der Druck wäre seitenverkehrt herausgekommen. Ein Schnitt lässt sich nicht zurücknehmen.
Was bedeutet Auflage beim Kunstdruck?
Die Auflage ist die Gesamtzahl der Blätter, die es von einem Motiv geben wird. Im Shop sind es bei mir 30 pro Motiv.
Die Nummerierung steht mit Bleistift unten auf dem Blatt, zum Beispiel 7/30. Die erste Zahl ist die Nummer deines Blattes, die zweite die Grösse der Auflage. Daneben steht meine Signatur, ebenfalls mit Bleistift.
Warum das wichtig ist:
- Die Zahl ist ein Versprechen. 30 heisst 30, nicht «30 und dann noch ein paar».
- Die Seltenheit ist echt. Es gibt dein Motiv nur 30 Mal auf der Welt.
- Bleistift lässt sich nicht kopieren. Eine gedruckte Signatur kann jeder Drucker reproduzieren, eine Bleistiftlinie auf dem Papier nicht.
Zu jedem Original gibt es ein Echtheitszertifikat. Und damit das Versprechen hält, kommt der Moment mit dem Messer: Sind die 30 verkauft, zerschneide ich die Platte. Kein Nachdruck, keine «zweite Auflage», auch nicht, wenn mich jemand nett fragt.
Was ist eine offene Auflage?
Eine offene Auflage (open edition) hat keine feste Obergrenze. Ich drucke so viele, wie gebraucht werden.
Das sind bei mir die kleinen Drucke im Format 11.5×16 cm. Sie sind signiert und datiert, aber nicht nummeriert. Eine Nummer wie «7/30» würde dort keinen Sinn machen, weil es keine 30 gibt, die irgendwann voll sind.
Offene Auflage heisst also nicht schlechter. Es heisst: kleiner, günstiger, ohne das Versprechen der Seltenheit.
Original oder Reproduktion: was ist der Unterschied?
Neben den Originalen gibt es Reproduktionen. Das ist eine ganz andere Sache, und ich will, dass das klar ist.
| Original | Reproduktion | |
|---|---|---|
| Wie gedruckt | von der Linolplatte, von Hand, mit Baren | Giclée, 12-Farben-Pigmentdruck |
| Wer druckt | ich | ein Druckpartner |
| Papier | Hahnemühle Sumi-E, 80 g/m² | 200 g/m², matt |
| Signiert | ja, signiert und nummeriert | nein |
| Auflage | 30, dann wird die Platte zerschnitten | nicht Teil der 30er-Auflage |
Eine Reproduktion ist eine gute, saubere Wiedergabe des Bildes. Aber sie hat die Platte nie berührt. Wenn dir das Motiv gefällt und das Budget knapp ist, ist sie völlig in Ordnung. Wenn du das Blatt willst, das wirklich aus meinen Händen kommt, dann ist es das Original.
Ein Detail noch: Originale gehen innerhalb von 14 Tagen aus Bern raus, mit Zertifikat und einer Postkarte. Und von jedem Original gehen CHF 5 an den Berner Verein übrig.
Wenn du sehen willst, wie das aussieht, schau dir Die Leiter an oder stöbere durch alle Originale. Wie ein Motiv überhaupt entsteht, liest du in wie ich aus Fotos Linolschnitte mache, und mit welchen Messern ich schneide, in mein Werkzeug.
Blätter in diesem Beitrag
Fragen
Was bedeutet 7/30 auf einem Linolschnitt?
Es ist das siebte von insgesamt 30 Blättern dieser Auflage. Die Zahl hinter dem Schrägstrich sagt dir, wie viele Originale es von diesem Motiv je geben wird.
Was ist der Unterschied zwischen Original und Reproduktion?
Ein Original ist von der Linolplatte von Hand gedruckt, signiert und nummeriert. Eine Reproduktion ist ein Giclée-Druck eines Partners auf 200 g/m² mattem Papier, unsigniert.
Was passiert, wenn alle 30 verkauft sind?
Dann zerschneide ich die Platte in Stücke. Das Motiv kann danach nie wieder gedruckt werden.



